Talkline jetzt ein Stück debitel
Dienstag, Juli 31st, 2007Konzernchef Rückert kündigt 100-Tage-Programm zur Integration der Unternehmensteile an.
Elmshorn/Mülheim/Stuttgart(ar.)
Von heute an wehen vor der Talkline-Zentrale nicht mehr nur rot-weiße Fahnen. Eine wird grün-weiß sein, wenn die rund 850 Mitarbeiter der Elmshorner Mobilfunk-Firma zur Arbeit kommen. Grün-weiß wie Debitel. Die Fahne ist ein Zeichen dafür, dass der Erwerb von Talkline durch den schwäbischen Konkurrenten formal vollzogen ist. Oder anders gesagt: Der Chef, der jetzt das Sagen hat, sitzt nicht mehr in Dänemark beim Vorbesitzer TDC sondern im Stuttgarter Stadtteil Vaihingen und heißt Axel Rückert (60).
Und der hat seinem Konzern, der mittlerweile auf drei Säulen ruht dem Stammhaus Debitel, Talkline und dem Mobilfunkvertreiber dug , für die nächsten 100 Tage erstmal ein strammes Programm mit einem ambitionierten Namen verordnet. “Tristar” heißt es, wie das dreistrahlige Verkehrsflugzeug aus den 70er-Jahren. Dahinter steht der Versuch, die Kraft der drei Debitel-Unternehmen zu bündeln “mit dem größten Einzelhandelsnetz und mehr Kunden als E-Plus oder O2″, wie es firmenintern heißt.
560 Millionen Euro hatte Rückert Anfang Juni für Talkline ausgegeben (wir berichteten), sieben Wochen musste er warten, bis grünes Licht vom Kartellamt kam. Deshalb soll es jetzt zügig gehen: “Wir sind froh, dass wir nach dem Geschäftsabschluss jetzt mit dem Integrationsprozess der drei Unternehmensteile beginnen”, sagte Rückert gegenüber den Elmshorner Nachrichten.
Direkt bei Rückert in Vaihingen angegliedert ist ein zentrales Integrationsbüro. Das hat in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Gespräche auf Bereichsleiterebene initiiert, bei denen die Strategie für die kommenden Monate abgestimmt wurden. Eines der wichtigsten Themen dabei: Wo werden künftig welche Arbeitsfelder angesiedelt? Eine Frage, die Rückert gestern nicht beantwortete: “Das kann nur das Ergebnis der Arbeit in den kommenden Wochen sein. Dem will ich nicht vorgreifen.”
Also bleibt vorerst unklar, ob und gegebenenfalls zu welchen Änderungen es im Standort Elmshorn kommt. Das gilt auch für die Zahl der Arbeitsplätze. Dazu sagte Debitel-Chef Rückert: “Wir müssen schauen. Garantien geben wir nicht. In Vaihingen nicht, auch nicht an den anderen Standorten.” Und weil das nicht so gut klingt, schiebt er nochmal nach: “Wichtig ist, dass wir jetzt in eine neue Periode gehen, dass wir jetzt die Nummer Eins bei der Vermarktung von Tele-Kommunikations-Dienstleistungen sind.” Chef in Elmshorn bleibt übrigens der Däne Christian Winther “wenn er denn will”, wie Rückert sagte, und weiter: “Ich gehe davon aus, dass er zu 150 Prozent im Boot ist.”
Selbst war Rückert inzwischen übrigens schon viermal in Elmshorn. Und seinen Antrittsbesuch im Rathaus hat er auch schon hinter sich. Von der Bürgermeisterin ist er angetan: “Eine nette Frau, die Frau Fronzek.” Und noch etwas hat Rückert von der Krückau mit an den Neckar genommen: Alle Debitel-Mitarbeiter haben heute früh eine E-Mail ihres Chefs erhalten, in der es heißt: “Um das gegenseitige Kennenlernen zu erleichtern, haben wir uns von den Talkline-Kollegen inspirieren lassen und entschieden, unternehmensweit das Du als Anrede einzuführen.”