debitel kauft talkline
Dienstag, Juni 5th, 2007Mit der Übernahme des Rivalen Talkline gelingt dem Mobilfunkanbieter Debitel das Kunststück, das Quartett der Branchengrößen zu sprengen. Zwar ohne eigenes Netz, dafür mit Millionen Kunden, überholt Debitel die bisherige Nummer vier, O2. Das neue Schwergewicht passt den Netzbetreibern gar nicht.
STUTTGART/DÜSSELDORF. Debitel kauft Talkline für 560 Mill. Euro. Beide Unternehmen verfügten zusammen über einen Marktanteil von 15 Prozent, wie Debitel am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Talkline mit Sitz in Elmshorn gehörte bislang zum dänischen Telekomkonzern TDC, der wie Debitel vom US-Finanzinvestor Permira kontrolliert wird.
Bislang wird der Mobilfunk-Markt von den Unternehmen mit eigenem Netz kontrolliert. Debitel und Talkline dagegen fungieren nur als Zwischenhändler. Deren Bedeutung wird durch die Übernahme größer: Mit zusammen 12,8 Mill. Kunden – 9 von Debitel, 3,8 von Talkline – schiebt sich das Unternehmen vor O2 mit seinen 11,2 Mill. Kunden. Den Sprung auf Rang drei verpasst Debitel nur knapp. Hier logiert E-Plus mit 13,1 Mill. Kunden. Unangefochtene Spitzenreiter sind T-Mobile mit 33 und Vodafone mit 30,8 Mill. Kunden.
Den Netzbetreibern sind die Mobilfunk-Provider wie Debitel schon seit langem ein Dorn im Auge, möchten T-Mobile und Co. die Kunden doch lieber direkt an sich binden. Dies verspricht zum einen höhere Einnahmen und zum anderen verringert es die Wahrscheinlichkeit des Netzwechsels. Mit Debitel ist nun aber ein neues Schwergewicht unter den Zwischenhändlern entstanden, das seine Marktmacht gegenüber den Netzbetreibern bei kommenden Preisverhandlungen auch nutzen dürfte.
Debitel-Chef gibt sich stark
Die Übernahme von Talkline soll bis zum Herbst abgeschlossen sein. Debitel-Vorstandschef Axel Rückert sagte, beide Unternehmen ergänzten sich hervorragend und läuteten gemeinsam die lang erwartete Konsolidierungsphase auf dem deutschen Mobilfunkmarkt ein. „Mit der Übernahme von Talkline sind alle Spekulationen, wer bei der Konsolidierung des Mobilfunkmarktes in Deutschland die Führung übernehmen wird, ein für alle Mal vorbei.“ Zusammen deckten die Unternehmen 20 Prozent der Neukundengewinnung im Mobilfunk-Sektor ab und seien damit der größte Vermarkter in Deutschland. Zu Talkline gehört auch der Billiganbieter Callmobile.
Rückert sagte, primäres Ziel des Zusammenschlusses sei es, das Potenzial der gemeinsamen Vertriebskraft zu nutzen und dabei nach wie vor partnerschaftlich mit den Netzbetreibern und Handelspartnern zu kooperieren. Der Talkline-Standort Elmshorn werde weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
Bereits seit Monaten existieren zahlreiche Gerüchte über Zusammenschlüsse zwischen den Mobilfunk-Providern. Die Kosten zu senken ist im gesättigten Mobilfunkmarkt von entscheidender Bedeutung. Die Minutenpreise sinken und der Druck auf die Margen steigt. Ende vergangener Woche waren Spekulationen aufgekommen, die börsennotierte Freenet wolle sich Talkline oder auch Debitel einverleiben. Das hat den Preis für Talkline offenbar in die Höhe getrieben. Analysten waren von einem Unternehmenswert von nur 500 Mill. Euro ausgegangen.
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